Bochumer Montagsdemo
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Bevölkerung in der EU setzt ein deutliches Zeichen : TTIP, CETA und Co. gehören auf dem Müll!

Vor drei Wochen kündigte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) "uneingeschränkten Zugang" zu Verhandlungsdokumenten zum Freihandelsabkommen TTIP auch für Abgeordnete des Bundestags an - doch Einblick in die Unterlagen nehmen können die Parlamentarier noch immer nicht. 

  Zu dem Schwerpunktthema der Bochumer Montagsdemo "Auswertung der Großdemo in Berlin gegen Freihandelsabkommen" gab es viele Redebeiträge am offenen Mikrofon.

Eine Rednerin meldete sich: "Die vielen tausend Demonstranten in Berlin machten der Regierung klar, dass sie die geplanten Freihandelsabkommen TTIP und Co. nicht hinnehmen werden. Würden diese Abkommen umgesetzt, hätte das gravierende Folgen für alle. Das Wasser würde z.B. privatisiert und für Bedürftige kaum noch bezahlbar. Auch würden die Umwelt- und Sozialstandards in Deutschland in Frage gestellt, wenn sie gegen die Profitinteressen der Konzerne verstoßen. Man kann jedoch nicht auf Parteien zählen, der Widerstand muss von der Basis kommen. Ein erster Schritt ist mit der Großdemonstration in Berlin getan, weitere müssen folgen. Wichtig ist auch die internationale Vernetzung".

"Ich war überwältigt von der unüberschaubaren Menschenmenge. Bereits bei der Auftaktkundgebung am Berliner Hauptbahnhof gab es kaum noch ein Durchkommen. Viele Jugendliche nahmen an dieser riesigen Protestaktion teil, zahlreiche Fahnen und Transparente von Organisationen, Parteien und auch Einzelpersonen waren zu sehen, auch selbstgebastelte Masken. Mir fiel eine Figur eines Wolfes auf, der Geldscheine im Maul hielt. Die Reden bei der Auftakt- und Abschlusskundgebung waren - soweit ich sie mitbekam - kämpferisch gegen Freihandelsabkommen, die die Rechte der einzelnen betroffenen Staaten aushebeln würden", berichtete ein Montagsdemonstrant.

Ein Montagsdemonstrant ergänzte: "Ich war beim Block der Bundesweiten Montagsdemo, die ihre traditionelle Herbstdemo vom ursprünglich 3.10.15 auf den 10.10.15 verlegt hat. Dort waren mehrere Montagsdemos aus verschiedenen Städten wie z.B. Berlin und Leipzig. Vergeblich hielt ich Ausschau nach der Bochumer Montagsdemo. Wie ich später erfuhr, kam der Bus aus Bochum erst gegen 12.00 Uhr in Berlin an. Da war der Demonstrationszug schon unterwegs. Kurz nach dem Beginn des Demonstrationszuges gab es ein Problem: Der Lautsprecherwagen der Bundesweiten Montagsdemo durfte sich nicht in den Demozug einreihen, obwohl er ordnungsgemäß angemeldet war. Ich trug mit das Haupttransparent der Bundesweiten Montagsdemo und wir blieben spontan stehen, so dass ein Teil der gewaltigen Demonstration ins Stocken geriet. Ordner der Veranstalter riefen uns auf, weiterzugehen, aber der Tenor war: Erst muss unser Lautsprecherwagen in den Demozug, dann gehen wir weiter. Die Verantwortlichen gaben schließlich ihren völlig unberechtigten Widerstand auf und der Lautsprecherwagen durfte sich einreihen. Am offenen Mikrofon des Lautsprecherwagens gab es zahlreiche Wortmeldungen. Ein Redner argumentierte, dass die Freihandelsabkommen nicht von Parteien gestoppt werden können. Der Widerstand muss von der Bevölkerung, also von der Basis, ausgehen. Es wird sich im politischen Bereich nur etwas ändern, wenn die Bevölkerung auf der Straße Widerstand zeigt. U.a. meldete sich auch ein Vertreter der Montagsmahnwachen und rief zum Frieden für alle Beteiligten auf".

"Die Reden bei der Abschlusskundgebung an der Siegessäule waren überwiegend kämpferisch", meinte ein Redner, "besonders das Plädoyer des Hauptgeschäftsführers des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, hat mich sehr imponiert. Er wies ausdrücklich darauf hin, dass mehrere Generationen den Sozialstandard in Deutschland aufgebaut haben und wir uns das nicht durch Freihandelsabkommen wie TTIP zerstören lassen wollen. Sollten die Politiker nicht auf unseren Protest reagieren: Wir kommen wieder und noch in größerer Zahl, sagte Schneider".

"Die internationale Vernetzung, die bereits durch eine Rednerin angesprochen wurde, ist äußerst wichtig und muss weiterentwickelt werden. Je mehr Menschen Widerstand gegen die Freihandelsabkommen zeigen, je größer wird die Chance, TTIP, CETA und Co. zu verhindern. Diese geplanten Abkommen gehören auf den Sondermüll", sagte eine Rednerin.

Ein Redner merkte an: "Es ist sehr erfreulich, dass eine große Anzahl von Jugendlichen den Protest gegen die Freihandelsabkommen mittrugen. Das zeugt von der Ablehnung einer Politik der Monopole, in die Rechte einzelner Staaten eingreifen zu können. Auch sog. Schiedsgerichte sind von der Lobby der Großkonzerne beeinflusst. Gleichzeitig wird mit der großen Anzahl der jungen Menschen auf dieser Demo das Argument widerlegt, die meisten Jugendlichen sind politisch desinteressiert und haben nur Sinn für Computerspiele, Smartphones oder ähnlichem".

"Es ist ein besonderer Skandal, wenn Alexander Neubacher als Reporter des Hauptbüros des Spiegel behauptet, die Anti-TTIP-Demonstration sei ein Schauermärchen vom rechten Rand und diese Bewegung gegen das Freihandelsabkommen mit den Pegida-Verantwortlichen Bachmann, Marine Le Pen und Donald Trump in Verbindung bringt. Neubacher sagte ganz frech, dass Gewerkschaften und Umweltverbände Seite an Seite mit Rechtsextremisten wie die NPD oder die französische Front National protestieren. Faschisten hätten auf dieser Großdemo buchstäblich keinen Fußbreit Platz, da sie - sobald sie erkannt würden - ganz schnell das Weite suchen müssten bzw. etwas aufs Maul bekommen hätten", bemerkte ein Redner.

Es folgten noch einige Reden zum Thema TTIP, u.a. zum Thema der Nachbesserung, wie Gabriel es vorschlug. Zu den Freihandelsabkommen gibt es keine Nachbesserungen, denn diese Abkommen sind und bleiben ein Angriff auf die Demokratie der betroffenen Staaten, war die einhellige Meinung der Montagsdemo.

Danach wechselte das Thema zu dem feigen Anschlag auf eine friedliche Demonstration der HDP in Ankara/Türkei. Zunächst legten alle Montagsdemonstranten und auch stehengebliebene Passanten eine Schweigeminute für die Opfer dieses Anschlags ein. Danach informierte einer der Moderatoren: "Kurz vor den Wahlen versucht die türkische AKP Unruhe im Land zu stiften. Besonders die Kurden werden angegriffen. Erstaunlich war, dass zum Zeitpunkt des Attentats keine Polizei bei der großen Protestkundgebung anwesend war. Erdogan behauptete in erster Linie, die PKK oder eine andere 'Terrororganisation' stehe hinter dem Anschlag. Erst später räumte Erdogan ein, es könnte auch die IS gewesen sein".

"Die AKP bekämpft die kurdischen Freiheitsbewegungen und erst ganz zuletzt die IS", lautete eine Wortmeldung, dass hat sich bei den Luftangriffen der Türkei in Suruc/Syrien bewiesen. Sie setzt die PKK, die für ein freies Kurdistan kämpft, mit den Faschisten des IS gleich. Die AKP und Erdogan fürchten Neuwahlen in der Türkei, da sie um ihre Macht bangt".

Alle Montagsdemonstranten stimmten dafür, eine Solidaritätserklärung für die Opfer dieses bestialischen Anschlags an die HPD in der Türkei zu senden.

Als Schwerpunktthemen für die nächste Montagsdemo wurden genannt:

Protest gegen den grundrechtsrelevanten Mietspiegel (Auftrag der Stadt Bochum an eine Beratungsfirma zur Senkung der Kosten der Unterkunft für Bedürftige (Hartz IV- und Grundsicherungsempfänger

das Flüchtlingsproblem

Umweltverschmutzung durch jahrelange Löschübungen am Düsseldorfer Flughafen

Alle drei Vorschläge wurden einstimmig angenommen. Da der Gitarrist fehlte, endete die Kundgebung ohne die bekannte Abschlusshymne.

Ulrich Achenbach
Moderator

14.10.15 21:51


Spaltung durch die Konzerne unter der Belegschaft kann nur international bekämpft werden

    Auf der heutigen Montagsdemo wurde über die 1. Internationale Automobilarbeiterkonferenz diskutiert. Vom 14.10. bis 18.10.2015 findet in Sindelfingen diese Veranstaltung statt.

Zunächst wurde das Lied "Montagsdemo angesagt" gesungen.

"Vertreter von Betriebsräten aus mehreren Ländern der Erde treffen sich, um eine weltweite Bewegung gegen die internationalen Konzerne der Automobilbranche, aber auch anderen Unternehmen zu bilden. Es geht um den Kampf gegen Werkschließungen und den Arbeitsplatzabbau", leitete einer der Moderatoren die Diskussion ein, "Wie ist eure Meinung dazu?"

"Die Produktion von Autos ist überholt, es sollten andere Fortbewegungsmittel wie Busse oder Bahnen hergestellt werden", hieß es aus dem Publikum.

Ein Redner antwortete: "Das ist richtig und erstrebenswert. Zur Zeit hängen aber noch sehr viele Arbeitsplätze von der Automobilindustrie ab. Daher muss um diese Arbeitsplätze auch gekämpft werden. Es ist inzwischen technisch möglich, Kraftfahrzeuge mit deutlich geringerem Kraftstoffverbrauch oder einem alternativen umweltfreundlichen Antrieb herzustellen. Das ist aber von den Automobilkonzernen nicht gewollt, weil sich mit den herkömmlichen Autos viel mehr Profit machen lässt". Der Redner fuhr fort: "Einzelne regionale Arbeitskämpfe gegen diese Politik reichen jedoch nicht aus. Daher muss eine internationale Bewegung entstehen. Die erste internationale Automobilarbeiter-Konferenz ist daher ein wichtiger Schritt".

Eine Rednerin äußerte sich: "Dazu erklärt ein Delegierter für diese Konferenz aus Deutschland: Mit der Automobilarbeiterkonferenz wollen wir den Schritt machen, eine stärkere Kraft als die Konzerne zu werden. Ob für Übernahme von Leiharbeitern bei VW Hannover, gegen Auslagerungen bei Conti in Gifhorn oder Entlassungen bei GM und VW in Brasilien: wir werden Solidarität für die Kämpfe der Automobil- und Zulieferarbeiter weltweit organisieren. Mit der Opel-Werkschließung in Bochum haben sich die Mitarbeiter nicht abgefunden und der Kampf um Arbeitsplätze wird weitergetragen."

"Auf der internationalen Konferenz wird ein Delegierter aus Russland erwartet und berichtet vom Widerstand gegen die Stilllegung eines Werkes von GM in diesem Staat. Die Montagsdemo sammelt daher für die Abdeckung der Reise- und Unterkunftskosten für diesen Delegierten", rief ein Redner für eine Sammlung auf.

"Es geht auf dieser Konferenz nicht nur um den Erhalt der Arbeitsplätze in der Automobilindustrie, sondern auch in anderen Branchen wie z.B. der Stahlindustrie oder dem Dienstleistungssektor", erläuterte einer der Moderatoren.

Die Bochumer Montagsdemo erklärte ihre volle Solidarität für die 1. Internationale Automobilarbeiter-Konferenz und wünscht allen Beteiligten viel Erfolg in ihrem gemeinsamen Kampf gegen die Macht der Monopole. "Wer kann, sollte auch an dieser Konferenz teilnehmen. Man könnte Fahrgemeinschaften für die Fahrt nach Sindelfingen gründen und auch die Unterkunft organisieren, z.B. bei bekannten Privatpersonen oder in Jugendherbergen".

Nach dem Lied "Wir haben den längeren Atem" wechselte das Thema zur Flüchtlingsfrage.

Eine Rednerin fragte. " Ich habe erfahren, dass Flüchtlinge mit dem Taxi transportiert werden. Auch sollen Mieter ausziehen, um diese Wohnungen Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Ich habe nichts gegen Flüchtlinge, aber man kann doch nicht die eigenen Leute vertreiben!"

Einer der Moderatoren antwortete: "Der Grund für Wohnraum für Flüchtlinge ist nur von den Wohnungsgesellschaften vorgeschoben. Am Wiebuschweg in Bochum-Langendreer erhielten zahlreiche Mieter schon vor längerem die Kündigung, weil diese Häuser abgerissen und durch neue rentable Bauten ersetzt werden sollen. Die jetzt leerstehenden Altbauten sind bis zum Abbruch Flüchtlingen vorbehalten. Diese Wohnungsbaugesellschaft versucht damit, die heimische Bevölkerung und die Flüchtlinge zu spalten. Ähnliches ist bei Studentenwohnungen der Fall. Hier sollen mehrere Personen auf eine Wohnung zusammenrücken. Gegen diese Spaltungsversuche müssen sich alle Betroffenen gegen die Verursacher wehren und nicht die Flüchtlinge dafür verantwortlich machen".

"Bei den Taxifahrten handelt es sich um Einzelfälle", erläuterte ein Sozialarbeiter der Stadt, "alle ankommenden Flüchtlinge müssen sich bei ihrer Ankunft bei der Ausländerbehörde registrieren lassen. Wenn es durch die Wartezeiten sehr spät wird und die oft entkräfteten Menschen mit Kindern dann zu ihrer Flüchtlingsunterkunft fahren müssen, ist das mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr möglich, so dass dann Taxis eingesetzt werden. In der Öffentlichkeit wird bewusst das Vorurteil geschürt, Flüchtlinge werden bevorzugt".

"Anders ist die Situation bei Transferleistungen. Wenn Politiker fordern, Hartz IV und andere Sozialleistungen zugunsten der Flüchtlinge zu kürzen, erzeugt das berechtigt böses Blut bei den Betroffenen. Die Flüchtlinge sind jedoch nicht anzugreifen, sondern diese Politiker, denn sie sind für die Flüchtlingsströme mit verantwortlich, z.B. durch Waffenlieferungen an Unrechtregime wie Saudi-Arabien usw.", sagte ein weiterer Redner, "wir dürfen uns auf keinen Fall spalten lassen. Vielmehr sind die Flüchtlinge willkommen und sollten baldmöglich integriert werden, die deutsche Sprache erlernen und dann auch Arbeitsplätze bekommen. Gemeinsam mit den deutschen Arbeitern sind die Flüchtlinge aufgerufen, für gleiche Rechte für alle zu kämpfen".

Eine Erzieherin ergänzte: "Diesen Schachzug versuchen die öffentlichen Arbeitgeber bei den Beschäftigten der Kitas. Durch die Mehrbelastungen der Kommunen durch die Flüchtlinge ist kein Spielraum für eine Entgeltanpassung. Doch darauf lässt sich die Gewerkschaft Ver.di nicht ein. Die Fortsetzung der Streiks der Erzieherinnen ist damit wahrscheinlich".

"Auch die Gewerkschaft IG Metall ruft in ihrem Informationsblatt dazu auf, keine Beschäftigung von Flüchtlingen im Dumpinglohnsektor zuzulassen", hieß es in einer weiteren Wortmeldung.

Zum Schluss der Debatte wurde an die Herbstdemo am 10.10.15 in Berlin erinnert. "Noch sind Anmeldungen möglich", informierte einer der Moderatoren. Am nächsten Montag, 5.10.15, geht es daher um die Demo gegen TTIP, TISA und Co.

Mit der Abschlusshymne endete die Kundgebung.

Ulrich Achenbach
Moderator
28.9.15 23:34


Kein TTIP, Ceta, Tisa und Co - ohne Wenn und Aber!

   Auf der gestrigen Montagsdemo wurde für die bündnisweite Großdemonstration am 10.10.15 in Berlin mobilisiert. Die Bundesweite Montagsdemonstration ist als Teil der Protestbewegung auch vor Ort.

Nach einem Montagsdemolied eröffnete einer der Moderatoren die Diskussion um den Widerstand gegen die geplanten Freihandelsabkommen TTIP, Ceta und andere. "Diese Abkommen höhlen praktisch das Recht der einzelnen Staaten in der EU aus, indem Konzerne gegen sie auf Schadensersatz klagen können, wenn Auflagen der Staaten z.B. zum Umweltschutz, die Profite der Unternehmen gefährden könnten. Nachdem sich europaweit ein großer Widerstand gegen diese Abkommen aufgebaut hat, versuchen die Befürworter, diese Abkommen etwas zu 'entschärfen'. Anstelle der sog. Schiedskommission, die u.a. mit Vertretern der Konzerne besetzt werden sollte, soll es jetzt ein Schiedsgericht mit unabhängigen Richtern geben. Das ändert jedoch nichts daran, dass die mühsam erkämpften Sozial- und Umweltstandards in der Eurozone sinken werden".

"Kanada wurde bereits von einem Energiekonzern verklagt, weil dieser Staat Fracking verbot. Dieses Unternehmen musste seine Schiefergasförderung einstellen und verlangte daher von der kanadischen Regierung Entschädigungen in Millionenhöhe", berichtete ein Redner. Würden TTIP und Konsorten Wirklichkeit, wäre bald das umweltfeindliche Fracking auch hier an der Tagesordnung".
(Fracking = Schiefergasgewinnung, bei der Wasser und chemische Flüssigkeiten unter hohem Druck in das Gestein gepresst werden, dadurch wird das Gestein brüchig und setzt das Schiefergas frei. Die eingeführten Gifte sind eine große Gefahr für das Trinkwasser. Außerdem sind durch diese Abbaumethode Erdbeben möglich)

Ein Montagsdemonstrant, der kürzlich an der holländischen Nordseeküste Urlaub machte, schilderte: "Ich war erstaunt über hohe stählerne Türme und erfuhr, dass hier Gas gewonnen wurde (Fracking). Nach großem Protest der Bevölkerung und mehreren Umweltbewegungen musste die Regierung der Niederlande diese Gasförderung verbieten. Hier zeigt sich, dass auch etwas erreicht werden kann, wenn alle zusammenstehen".

Nach einigen weiteren Wortbeiträgen wurde erneut das aktuelle Thema "Flüchtlinge" angesprochen. Eine Montagsdemonstrantin bemerkte: "Für mich sind alle Menschen, egal ob schwarz, rot oder weiß. Alle haben daher einen Anspruch auf Hilfe, wenn sie in Not sind. Aber Deutschland kann nicht alle aufnehmen. Deshalb müssen die Flüchtlinge auf alle Staaten der EU verteilt werden. Auch Polen, Dänemark, England und weitere Staaten in Europa dürfen sich nicht weigern, sie haben dazu kein Recht!"

Eine Passantin griff die Diskussion auf: "Trotz der Flüchtlingssituation dürfen die Menschen im eigenen Land nicht vergessen werden. Ich fordere Abschaffung von Hartz IV und die Wiedereinführung der Arbeitslosenhilfe und Weiterzahlung des ALG I für längere Zeit als ein Jahr. Es kann nicht sein, dass jemand, der 40 Jahre gearbeitet hat und dann arbeitslos wird, nach nur einem Jahr ALG I in die Armut von Hartz IV gestürzt wird! Warum gehen die Leute nicht wie früher massenweise auf die Straße?"

Alle applaudierten.

Einer der Moderatoren erwiderte: "Die Montagsdemos fordern schon seit Jahren die Abschaffung von Hartz IV und die Weiterzahlung des Arbeitslosengeldes I (bei entsprechender Anhebung) für die Dauer der Erwerbslosigkeit".

Ein Redner appellierte: "Ein Teil der Flüchtlinge soll nach den Plänen der Bundesregierung schnell in Arbeit integriert werden. Dabei dürfen auf keinen Fall die Belegschaften gespalten werden, indem die neu eingestellten Flüchtlinge in niedrigere Einstiegstarife als deutsche Arbeitnehmer eingruppiert werden. Ich fordere daher alle Betriebsräte und Vertrauensleute auf, bei Neueinstellungen auf die Tarife zu achten und Spaltung in jeder Form direkt an der Wurzel zu bekämpfen".

"Auch wenn neu angekommene Flüchtlinge besser als einige Einheimische gekleidet sind, berechtigt das nicht, Hass gegen diese Menschen zu entwickeln. Der Zorn muss vielmehr an die Regierung gerichtet werden, die durch Sozialabbau für die immer größer werdende Armut in Deutschland verantwortlich ist", lautete eine weitere Wortmeldung.

Nach einem musikalischen Intermezzo gab es noch einige Informationen zum Ablauf der Herbstdemo in Berlin.

"Der Bus des DGB fährt am 10.10. um 5.00 Uhr am Ver.di-Haus, Universitätsstr. 76, 44789 Bochum ab. Anmeldungen sind noch über den DGB möglich bzw. bei unserem Kollegen Archie möglich, der eure Anmeldungen entsprechend weiterleitet. Montagsdemonstranten, die keine Gewerkschaftsmitglieder sind, werden auch mitgenommen, man erwartet jedoch eine Spende. Ich schlage vor, dass pro Kopf 15,00 Euro aus der Montagsdemokasse finanziert werden", sagte einer der Moderatoren.

Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen.

Der andere Moderator ergänzte: "Vertreter der Bundesweiten Montagsdemo dürfen in Berlin auf der Hauptbühne reden. Außerdem gibt es einen Stand der Montagsdemo auf der Abschlusskundgebung, die am Berliner Stern stattfinden wird. Die Demoroute führt vermutlich vom Hauptbahnhof Berlin am Reichstag vorbei, das ist genau richtig".

Der einhellige Tenor der Bochumer Montagsdemo war: "Wir gehen von einer riesigen Demonstration mit mehreren zehntausend Teilnehmern in Berlin aus. Bringen wir die Entrechtungsabkommen TTIP und Co. in unserem gemeinsamen Kampf zu Fall. Kein TTIP, Ceta, TISA - ohne Wenn und Aber!

Das Thema der nächsten Montagsdemo ist die Information über den nächsten internationalen Automobilratschlag, wo es um den Erhalt von vielen Arbeitsplätzen bei Automobilherstellern, aber auch in anderen Branchen geht.

Die Kundgebung endete wieder mit der bekannten Abschlusshymne, da der Gitarrist wieder aus dem Urlaub zurück war.

Ulrich Achenbach
Moderator
24.9.15 10:22


Vorschlag von Hannelore Kraft stößt auf breite Ablehnung

    Die Bochumer Montagsdemo führte eine umfangreiche Debatte zu den Schwerpunkthemen "Arbeitsgelegenheiten als Flüchtlingshelfer für Langzeiterwerbslose" und "Angriff der IS auf Kobane/Syrien vor einem Jahr".

"Hannelore Kraft (SPD) schlägt vor, dass Langzeiterwerbslose im Rahmen der sog. Arbeitsgelegenheiten (besser bekannt als Ein-Euro-Jobs) als Flüchtlingshelfer eingesetzt werden sollen. Die Hilfe für die Flüchtlinge ist notwendig und wichtig, darf aber nicht in Form von Arbeitszwang an auf Transferleistungen angewiesenen Erwerbslosen geschehen. In diesen Fällen müssen die Kommunen, Länder oder der Bund reguläre Arbeitsplätze unter tariflichen Bedingungen anbieten", leitete einer der Moderatoren die Diskussionsrunde ein.

"Wieder einmal sollen für das Versagen der Politik die Langzeitarbeitslosen geradestehen", hieß es in einer Wortmeldung, " denn die Regierung wusste nicht seit erst seit gestern, dass viele Flüchtlinge zu erwarten seien. Die vielen Arbeitsplätze, die aufgrund des Flüchtlingsstroms zwangsläufig entstehen, dürfen nicht als 'zusätzliche Arbeit' bezeichnet und mit Ein-Euro-Jobbern abgedeckt werden, sondern dafür sind reguläre Arbeitsstellen mit entsprechendem Entgelt zu schaffen. Das Geld dafür ist vorhanden. Wenn der Staat sofort mehrere Milliarden Euro für die Flüchtlingshilfe bereit stellt, muss er erst recht in der Lage sein, tariflich bezahlte Arbeitsplätze für die Flüchtlingsbetreuung anzubieten".

"Hochqualifizierte Flüchtlinge sind in Deutschland als billige Arbeitskräfte willkommen, da es anscheinend an qualifizierten Bewerbern fehlt. Das ist eine Lüge der Bundesregierung. Viele Studierte mit entsprechender Berufserfahrung finden hier keinen Job. Es geht den Konzernen nur darum, Menschen mit entsprechender Qualifikation und Praxis zu Niedriglöhnen zu beschäftigten, dabei wird die Ausgangssituation der Flüchtlinge ausgenutzt. Gering qualifizierte Vertriebene sind dagegen von den Unternehmen nicht gern gesehen".

Ein Redner sagte: "Seit es Hartz IV gibt, hat der Niedriglohn- und Minijobsektor stark zugenommen.

Alle Anwesenden verurteilten den Vorschlag von Hannelore Kraft, Flüchtlingshelfer im Rahmen der sog. 'Arbeitsgelegenheiten einzusetzen. "Die Langzeiterwerbslosen sollten unverzüglich vor den Jobcentern demonstrieren, denn wer Hartz IV bezieht, hat die meisten Rechte schon an der Jobcentertür abgegeben. Er kann z.B. zu praktisch jeder Arbeit gezwungen werden ohne Rücksicht auf Qualifikation", ergänzte ein weiterer Redner.

Eine Rednerin ging auf die Behandlung der Flüchtlinge in Deutschland ein: "Diesen Menschen wird die Möglichkeit genommen, selbst etwas für ihren Lebensunterhalt zu tun. Sie können z.B. nicht selber kochen oder ihren Aufenthalt in den Sammelstellen selbst organisieren". "Die Flüchtlinge möchten in Deutschland arbeiten, werden aber zur Untätigkeit gezwungen. Dabei ist Arbeit genug sowohl für die Deutschen als auch die Flüchtlinge vorhanden, wenn die unzähligen Überstunden abgebaut werden und die Arbeitszeit allgemein verkürzt wird", lautete ein Redebeitrag.

Viele Montagsdemonstranten forderten, die Ursache für den Flüchtlingsstrom in den Herkunftsländern zu bekämpfen. "Den Menschen aus Syrien, dem Irak, aber auch aus Afrika, bleibt keine andere Wahl als ihre Heimat zu verlassen, da sie durch Kriege und Umweltzerstörung nicht mehr bewohnbar ist. Dazu tragen Terrorgruppen wie der IS oder Boko Haram bei, aber auch internationale Konzerne, die durch Ausbeutung der Bodenschätze oder Monokulturen Staaten ruinieren", sagte ein Redner.

Eine Rednerin argumentierte: "Durch die EU ist die Politik der Massenflucht anscheinend gewollt. Das EU-Parlament ist niemanden Rechenschaft schuldig. Der Flüchtlingsstrom war schon lange absehbar und ist nicht über Nacht gekommen. Daran ist die auch die Politik der Troika schuld. Das EU-Parlament müsste aufgelöst werden, da es nur die Interessen der Konzerne und Einflussreichen vertritt". "Die Frau hat Recht, denn wer spricht heute noch über die Eurokrise in Griechenland? Durch die Sparbeschlüsse der Regierung geraten große Bevölkerungskreise in diesem Land in Hungersnot, diese Situation verschärft sich noch durch die vielen Flüchtlinge, die nach Griechenland kommen", meinte ein weiterer Redner.

Anschließend wurde noch über den Jahrestag des Angriffs auf Kobane/Syrien durch die IS diskutiert. Einer der Moderatoren informierte über die Situation in diesem Land. "Der Aufstand gegen das Assad-Regime wurde von den USA und der EU unterstützt. Dabei gewannen brutale und militante Gegner wie die IS ímmer mehr an Macht. Die Waffenlobby witterte große Geschäfte und heizte mit Waffenlieferungen an die Gegner Assads den Konflikt immer weiter an. So konnten die IS-Faschisten weite Gebiete von Syrien, aber auch dem Irak erobern und sog. Kalifate bilden. Der Raum im Norden Syriens in der Provinz Rojava wurde ebenfalls angegriffen und die IS belagerte lange Zeit die Stadt Kobane und zerstörte sie zu 80 Prozent. In dieser Region leben sowohl Kurden als auch andere Volksgruppen wie Jesiden, Christen usw. in Frieden miteinander zusammen und die Frauen haben im Gegensatz zu den anderen islamischen Staaten die gleichen Rechte wie die Männer. Jedoch durch den ungebändigten Freiheitswillen und mit internationaler Unterstützung konnten die IS-Faschisten aus Kobane und angrenzenden Gebieten zurück gedrängt werden. Dabei spielte die kurdische Befreiungsorganisation PKK eine große Rolle". "Kobane soll mit internationaler Hilfe wieder aufgebaut werden", informierte ein Redner, "jedoch gibt es weiterhin keinen Korridor von der Türkei nach Syrien. Die Hilfeorganisationen werden von der Türkei häufig behindert, nach Syrien einzureisen". "Die Türkei fliegt auch Luftangriffe gegen die PKK in Syrien, bekämpft dagegen die IS nur unzureichend", hieß es in einer weiteren Wortmeldung. Auch werden die Kurden in der Türkei selber unterdrückt. Eine Abgeordnete des türkischen Parlaments wurde kürzlich verhaftet, nur weil sie auf kurdischer Sprache einen Kommentar abgab".

Ein kurdische Frau aus dem Publikum bestätigte dieses Sachverhalt, während ihr Partner behauptete, die Abgeordnete sei 1995 verhaftet worden, als Erdogan noch nicht an der Regierung war. Ein weiterer kurdischer Mann äußerte sich: "Ich bin seit 20 Jahren ein Deutschland, komme aus Syrien und kann die Unterdrückung der Kurden nur bestätigen. Ich bedanke mich bei der Montagsdemo, dass sie die Wahrheit sagt".

Es gab noch weitere Wortmeldungen, u.a. wurde auch die schlimme Situation in Afrika (Nigeria) angesprochen, wo durch die Boko- Haram-Terroristen viele Männer getötet wurden und die Frauen sowie Kinder hilflos sich überlassen wurden.

Die Kundgebung endete ohne Abschlusshymne, da der Gitarrist in Urlaub ist. Am nächsten Montag geht es um die Mobilisierung zur Demonstration nach Berlin am 10.10.15.

Am gleichen Tag demonstrierten auch zahlreiche Kurden gegen die Politik Erdogans und kamen zu ihrer Abschlusskundgebung zum Husemannplatz. Viele Montagsdemonstranten bekundeten ihre Solidarität und nahmen an dieser Veranstaltung teil.

Ulrich Achenbach
Moderator
15.9.15 12:23


Flüchtlingsfrage und Prestigeobjekte waren Hauptthemen

 Beim Oberbürgermeister-Kandidatentreffen mit der Bochumer Montagsdemo und dem Publikum entwickelte sich eine lebhafte Debatte, obwohl nur die Kandidaten der Sozialen Liste Bochum, Günter Gleising, und Omid Pouryousefi (parteilos) kamen.

Nach einem Montagsdemolied begrüßten die Moderatoren der Montagsdemo die OB-Kandidaten, die sich anschließend kurz vorstellten. Danach begann die Diskussion mit dem Publikum.

Ein Rollstuhlfahrer monierte: "Ich bin bedürftig und auf die Suppenküche angewiesen, kann die Räumlichkeiten jedoch wegen Barrieren nicht erreichen. Auch andere Hilfseinrichtungen sind für mich nicht erreichbar, weil es dort Treppenstufen oder andere Hindernisse gibt. Wann wird endlich etwas für uns getan?"

Eine Rednerin prangerte an: "Hinter dem Rathaus treffen sich bedürftige Alkoholkranke, die laufend Platzverweise erhalten und gegen die Ordnungsgelder verhängt werden. Diese Leute haben aber keine Möglichkeit, sich in Räumlichkeiten der Obdachlosenhilfe aufzuhalten, da dort ein striktes Alkoholverbot gilt. Normale Gaststätten können aus Kostengründen nicht aufgesucht werden. Daher fordere ich Räume, in denen sich diese Alkoholkranken treffen und austauschen können. Wenn ich Geld hätte, würde ich sofort entsprechende Räume auf eigene Kosten mieten und mich auch an der Betreuung dieser Menschen beteiligen".

Einige Wortmeldungen gab es auch zu der Haushaltssituation der Stadt Bochum und den Prestigeobjekten.

"Durch Werkschließungen wie bei Opel und in Kürze bei Outokumpo gibt es gravierende Einbrüche bei den Steuereinnahmen der Kommune. Ein Oberbürgermeister kann dagegen selbstverständlich nichts tun, denn er hat keinen Einfluss auf die Entscheidungen der Konzernspitze. Aber er kann Arbeitskämpfe der Belegschaft unterstützen bzw. die Stadt könnte zu Widerstand gegen diese Massenarbeitsplatzvernichtung aufrufen. Das hat die Stadt Bochum nicht getan", argumentierte ein Redner.

"Der Nothaushalt ist zum Teil auch hausgemacht. Selbstverständlich werden den Kommunen von Bund und Land immer neue Aufgaben zugewiesen, ohne für finanziellen Ausgleich zu sorgen. Andererseits hält die Stadt Bochum trotz dieser Haushaltsmisere an kostenträchtigen Prestigeobjekten fest, wie z.B. das Musikzentrum oder der Platz des Europäischen Versprechens", klagte ein Redner an, "beim Musikzentrum kann weder der Bauplan eingehalten werden noch bleiben die Kosten im Limit. Dieses Prestigeobjekt ist bereits jetzt schon um rd. zwei Millionen Euro teurer".

Einen breiten Raum nahm die Flüchtlingsfrage auf der Diskussion ein. "Es wird zwischen politisch Verfolgten und Wirtschaftsflüchtlingen unterschieden. Auch die Kommunalpolitiker unterscheiden zwischen sicheren und unsicheren Herkunftsländern. Als sichere Herkunftsländer gelten z.B. Mazedonien, Albanien, der Kosovo oder Serbien. Aber in diesen Ländern herrscht - auch durch den Einsatz der Nato im damaligen Jugoslawienkonflikt - pure Not. Deshalb fliehen auch von dort Menschen. Die Sinti und Romas werden zudem politisch verfolgt", hieß es in einer Wortmeldung, "wir fordern daher, dass auch sog. 'Wirtschaftsflüchtlinge' aufgenommen werden".

Auch wurde die Erreichbarkeit des Jobcenters stark kritisiert: "Die Bundesagentur für Arbeit und die Stadt Bochum sind gemeinsame Träger des Jobcenter Bochum. Warum kann die Stadt Bochum nicht darauf hinwirken, dass sich bei telefonischer Kontaktaufnahme mit dem Jobcenter nicht ein Callcenter meldet, sondern der entsprechende Sachbearbeiter direkt durch Durchwahl zu erreichen ist?", klagte ein Betroffener, "beim Callcenter bekommt man schlechte Beratung und Vertröstung, dass der Sachbearbeiter zurückruft, was aber in den meisten Fällen nicht geschieht!"

Die OB-Kandidaten antworteten auf die Fragen: "Wir haben uns bereits in der Vergangenheit für barrierefreien Zugang zu städtischen Gebäuden eingesetzt, "erklärte Günter Gleising von der Sozialen Liste, "teilweise wurde dies auch umgesetzt. Ich würde mich als Oberbürgermeister auch weiterhin dafür einsetzen, die Entscheidung hat jedoch der Rat der Stadt. Gegen die Prestigeobjekte hat die Soziale Liste immer schon gestimmt. Ich erwähne den Platz des Europäischen Versprechens, der erst rd. 300.000 Euro kosten sollte und inzwischen über 1 Million Euro teuer wird. Auch die alte Ruhrlandhalle mit ihrer hervorragenden Akustik wurde abgerissen und durch den Ruhrkongress ersetzt, der akustisch teilweise zu wünschen übrig lässt und hohe Folgekosten für die Stadt Bochum hat. Zum Jobcenter ist zu erwähnen, dass die meisten Vorschriften von der Bundesagentur für Arbeit macht, das ist auch bei dem Callcenter so. Leider hat die Stadt Bochum darauf kaum einen Einfluss". Omid Pouryousefi ging auf die Flüchtlingsfrage ein: "Auch ich war einst Flüchtling. Die Kommune kann nicht über Aufnahmekriterien der Flüchtlinge entscheiden, da hier gesetzliche Vorschriften nach dem Zuwanderungsgesetz bestehen. Aber die Stadt Bochum kann alles tun, um die Flüchtlinge menschengerecht unterzubringen". Günter Gleising ergänzte: "Ich betone, dass die Soziale Liste dagegen stimmte, die Flüchtlingsunterkünfte auf einem Friedhof in Bochum-Weitmar zu errichten. Au0erdem verurteilt die Soziale Liste willkürliche Abschiebungen der Flüchtlinge. Hier hat die Stadt viele Möglichkeiten, solche Abschiebungen zu vermeiden." Dem stimmte der parteiunabhängige Kandidat Omid bei. Auf eine Frage aus dem Publikum, die Haushaltsmisere und die gesamte Sparpolitik hängt mit dem jetzigen System des Kapitalismus zusammen und ein sozialistisches System wäre die Alternative, antwortete Omid Pouryousefi : "Sozialismus kann man nicht per Gesetz verordnen, sonst wäre es eine Diktatur. "Sozialismus muss sich von unten aus dem Volke entwickeln", ergänzte Omid.

In der gesamten Debatte zeigte sich, dass beide OB-Kandidaten mit der jetzigen Politik des Bochumer Rates nicht einverstanden waren und im Falle eines Wahlsieges nicht einseitig auf eine Partei ausgerichtet wären. "Es geht nicht an, dass wie bisher nur eine Partei in Bochum dominiert", meinte Gleising.

Nach der Schlussrunde der OB-Kandidaten bedankten sich beide Moderatoren für das Kommen und die interessante Diskussion mit dem Publikum.

Am nächsten Montag geht es um den Jahrestag des Angriffs der IS auf Kobane in Syrien. Aber auch der Terrorismus in anderen Ländern steht auf der Agenda.

Mit der Abschlusshymne endete die Kundgebung.

Die Moderatoren
Christoph Schweitzer
Ulrich Achenbach
9.9.15 00:37


Kurde aus Kobane/Syrien singt Befreiungslied

    Die Diskussion auf der gut besuchten Montagskundgebung wurde mit dem Lied "Montagsdemo angesagt" eingeleitet. Zu dem Schwerpunktthema "Antikriegstag" und damit indirekt verbunden der aktuellen Flüchtlingsfrage entwickelte sich eine lange, spannende Debatte.

Einer der Moderatoren informierte über den Antikriegstag: "Am 1. September 1939 überfielen die Nazi-Faschisten Polen. Das war einer der Hauptgründe für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, denn wenig später wurde Russland von den Truppen der deutschen Wehrmacht angegriffen. Im Zweiten Weltkrieg, im dem immer mehr Staaten verstrickt wurden, setzte die USA erstmalig zwei Atombomben ein. Der Abwurf über Hiroshima und Nagasaki in Japan wird jedem in Erinnerung sein. Heute, rund 76 Jahre später, gibt es auf der Welt zahlreiche Kriege, deren Hauptursache die Profitgier der internationalen Konzerne ist. Ob der IS-Terror in Syrien, der Ukraine- oder der damalige Jugoslawien-Konflikt, überall geht es in erster Linie nur um den Gewinn der Waffenlobby. Die Großmächte suchen immer nach einem Grund, um einem Staat 'zur Hilfe' zu kommen." Im ehemaligen Jugoslawien ging es formell um die Gräueltaten von Slobodan Milošević, der Irak sollte angeblich die Region mit Atomwaffen bedrohen (solche Waffen wurden nie gefunden). Auch die jetzigen Terroristen wie die IS, Al Kaida oder die Taliban, konnten erst durch Unterstützung mit Waffen von den Großmächten, aber auch der EU einschl. Deutschland, ihren Einfluss auf mehrere Länder des Nahen Osten ausweiten, wie in Syrien und Afghanistan".

Ein Redner meldete sich: "Die Linken werden beschuldigt, zwischen gerechten und ungerechten Kriegen zu unterscheiden. Dazu bemerke ich: Krieg ist im Sinne des Wortes böse. Wenn jedoch Kampfhandlungen (auch mit der Waffe) zur Abwehr eines Angriffs des Gegners oder zur Befreiung eines Volkes von brutaler Unterdrückung durch Diktatoren bzw. Faschisten wie die IS dienen, ist dies kein 'gerechter Krieg', sondern reine Notwehr".

Eine Rednerin, die der Organisation Solidarität angehört, bemerkte: "Immer wieder ist die Parole 'Frieden schaffen ohne Waffen' zu hören. Es wäre zwar begrüßenswert, wenn keine Waffen mehr eingesetzt würden. Das ist aber in der Realität nicht der Fall, denn die Mächtigen der Welt geben ihre Macht nicht kampflos ab. Der Pazifismus kann daher unterdrückte Völker nicht befreien. Gegen blanken Terror wie durch die IS-Faschisten helfen keine guten Worte, sondern nur Widerstand (mit Waffen). Dass ein Erfolg gegen den unsäglichen IS-Terror möglich ist, beweist der mutige Befreiungskampf der Kurden in der Provinz Rojava/Kobane."

"Ich war selbst bei den Aufbauarbeiten der fast vollständig zerstörten Stadt Kobane vor Ort. Es ging um die Errichtung eines neues medizinischen Zentrums. Man kann sich kaum vorstellen, mit welchem Eifer und Selbstvertrauen die Bevölkerung den Aufbau unterstützte, obwohl Selbstmordattentate der IS (Personen sprengten sich selber in die Luft) die Stadt erschütterten", schilderte ein Redner.

Anschließend wurde das Lied "Kobane" gesungen, bevor die Diskussion zum Flüchtlingsproblem wechselte.

"Tagtäglich fliehen immer mehr Menschen aus ihren Heimatländern und versuchen oft auf abenteuerlichen Wegen nach Europa zu gelangen. Der Grund ist plausibel: Neben Terrorherrschaft wie durch die IS in Syrien und dem Irak wurden die Lebensgrundlagen in ihren Heimatländern zerstört. Raubbau an Wäldern und der Landwirtschaft zugunsten profitträchtiger Plantagen durch internationale Konzerne, Zerstörung ganzer Landstriche durch Ausbeutung von Bodenschätzen wie z.B. Kupfer, vernichten die Existenzgrundlage ganzer Bevölkerungsschichten. Daher bleibt den Menschen nichts anderes als die Flucht, um überleben zu können. Die EU oder Russland brauchen sich daher nicht zu wundern, wenn sie von Flüchtlingen 'überschwemmt' werden", hieß es in einer Wortmeldung.

"Ungarn versucht, den Flüchtlingsstrom durch Stacheldraht aufzuhalten. Das faschistoide Regime ist keinesfalls bereit, Flüchtlinge aufzunehmen. Doch weder Stacheldraht noch Gewalt werden die Menschen davon abhalten, einen Ort zu finden, an dem sie ohne Angst um ihr Leben bleiben können", meinte ein Redner, "so lange die Ursachen der Flucht nicht energisch bekämpft werden, werden die Flüchtlingsströme bald unüberschaubare Dimensionen annehmen".

"Ich verabscheue auch den Begriff 'Wirtschaftsflüchtlinge' oder 'sichere Herkunftsländer'", äußerte sich eine Rednerin, "denn Staaten wie z.B. Kosovo oder Serbien sind keine sicheren Länder, denn in diesen Staaten werden Volksgruppen wie Sinti oder Romas weiterhin verfolgt. Wenn Menschen im Übrigen ihre Heimat verlassen müssen, weil sie dort nicht überleben können, ist das eine logische Folge. Deshalb kann man sie nicht als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnen".

"Ich bin dafür, dass jeder Staat der EU Flüchtlinge aufnehmen muss, das gilt auch für Großbritannien, Österreich oder Dänemark. Gleiche Pflicht für alle!", forderte ein Redner.

Inzwischen kam ein Syrier zur Montagskundgebung und hatte den Wunsch, ein Kampflied in seiner Sprache zu Kobane zu singen, was die Montagsdemonstranten begrüßten. Nach dem melodischen Protestsong in kurdischer Sprache gab es viel Applaus und Dank am offenen Mikrofon.

Eine Montagsdemonstrantin sagte: "Direkt hier in der Bochumer Innenstadt gibt es eine Unterkunft für Flüchtlinge. Ich habe dort Spielzeug verteilt. Ich war überwältigt, wie dankbar diese Menschen waren".

Es gab noch weitere Wortmeldungen, danach endete die Kundgebung mit der bekannten Abschlusshymne. Am nächsten Montag findet das Treffen zwischen einigen Oberbürgermeisterkandidaten und der Montagsdemo statt. Die Kundgebung ist abweichend um 18.00 Uhr auf der Kortumstr. zwischen Citypoint und Drehscheibe.

Ulrich Achenbach
Moderator
1.9.15 22:59


11 Jahre Montagsdemo - wir kämpfen weiter!

     Bereits zum 11. Mal jährte sich die Bochumer Montagsdemo, die ein Teil der bundesweiten Montagsdemobewegung ist.

Ihren Ursprung hatte diese langjährige Protestbewegung in der Verabschiedung der sog. Hartz IV - Gesetze, der Zusammenlegung der ehemaligen Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zum sog. Arbeitslosengeld II auf Sozialhilfeniveau (die ehemalige Arbeitslosenhilfe war in der Regel höher). Mit Inkrafttreten des Sozialgesetzbuch II (SGB II) wurden viele Rechte der Erwerbslosen abgeschafft, z.B. ist die Annahme von fast jeder Beschäftigung ohne Berücksichtigung der Qualifikation des Erwerbslosen zumutbar.

Seit 2004 gehen Montag für Montag immer noch Menschen auf die Straße, um gegen die unsoziale Politik der Bundesregierung zu protestieren. Die erste große Montagsdemo nach dem Vorbild der Montagsdemonstrationen in der ehemaligen DDR fand in Magdeburg statt. Zwar sind die Teilnehmerzahlen seit 2004 deutlich geschrumpft, dennoch bleibt die Montagsdemo ein "mahnendes Gewissen" , zumal längst weitere Themen als Hartz IV diskutiert werden. Montag ist ein Tag des Widerstands geworden. Die Flüchtlingsfrage und Asylpolitik, der Terror durch die IS, die Umweltzerstörung u.a. durch die Atomkraft, die Reform der Krankenversicherung und v.a. Themen werden diskutiert .

In diesem Sinn eröffnete einer der Moderatoren die 11-Jahresfeier. Danach befragte der andere Moderator die Montagsdemonstranten, warum sie jahrelang zu der Montagsdemo stehen. "Hier zeigt sich der gemeinsame Zusammenhalt und es wird Protest zu verschiedenen Themen auf die Straße getragen, worüber in den Medien nichts oder kaum etwas berichtet wird, z.B. die Verschlechterungen im Gesundheitswesen oder die Verklappung von Giftmüll in stillgelegte Bergwerkschächte", hieß es in einer Wortmeldung.
"Ich fühle mich mit meinen persönlichen Problemen in der Montagsdemo gut aufgehoben", äußerte sich eine Montagsdemonstrantin, die Hartz IV bezieht.

"Durch die Montagsdemobewegung konnten viele neue Kontakte zu Betriebsräten, Vertrauensleuten und auch Migrantenorganisationen geknüpft werden. Die Montagsdemo hat viele Proteste anderer Organisationen durch Solidaritätserklärungen unterstützt, z.B. gegen die Atomkraft oder aktuell gegen die IS-Faschisten und auch mehrere Aktionen zusammen mit anderen Organisationen durchgeführt. Besonders erwähne ich den 8. Dezember 2014, wo Betriebsräte und Vertrauensleute mehrerer Unternehmen der Stahlindustrie, des Bergbaus und der Automobilindustrie aus dem In- und Ausland, Gewerkschaftsmitglieder, andere Organisationen, Parteien und Einzelpersonen gegen Arbeitsplatzvernichtung (Opel-Werkschließung in Bochum) auf dem Rathausplatz in Bochum demonstrierten. Diese Großkundgebung lief unter dem Motto 'Wir tragen die Fackel weiter' und unterstützte den weiteren Kampf der Opel-Mitarbeiter in den bestehenden Werken bzw. der kämpfenden Opelaner aus Bochum, die nach Rüsselsheim usw. wechselten".

"Die Montagsdemo mag zwar klein sein und viele behaupten, wir könnten ohnehin nichts ändern. Zwar können wir von Bochum nicht die Hartz-Gesetze kippen, aber in Einzelfällen halfen wir Betroffenen bei ihren Problemen mit dem Jobcenter oder anderen Behörden. Wir unterstützen diese Personen bei der Abfassung von Schreiben und/oder begleiteten diese auch beim Gang zu den Behörden", berichtete ein Redner.

Danach wurde das Lied "Wir haben den längeren Atem" gesungen, bevor Grußworte von einem Vertrauensmann von Opel Werk III (zur Zeit noch Menovia), Vertreterinnen der Organisationen "Solidarität International" und dem Frauenverband "Courage" sowie ein Vertreter der Partei MLPD an die Montagsdemo gerichtet wurden. Alle beglückwünschten die Montagsdemo zu ihrem unerschütterlichen Widerstand gegen die unsoziale Regierung und Durchhaltewillen bereits seit über 10 Jahren. "Macht weiter so", hieß es im Tenor.

Danach folgten Lieder mit Begleitung des Gitarristen und Musik von CD`S. Ein Höhepunkt war ein Quiz über Bochum, bei dem es einen Preis zu gewinnen gab (Bildband über Sehenswürdigkeiten in Bochum mit Hintergrundgeschichte und Vorschläge für Wanderrouten im Stadtgebiet). Unter allen Teilnehmern beantworteten nur zwei alle 10 Fragen richtig, der Preis ging nach Absprache mit dem ausgelosten Gewinner an die älteste Montagsdemonstrantin, die auch alle Fragen richtig beantwortete.

Die Montagsdemo überreichten auch eine Karte mit Genesungswünschen für eine treue Teilnehmerin an deren Partner, die aus gesundheitlichen Gründen (Operation) nicht bei der 11-Jahresfeier anwesend sein konnte.

Die Montagsdemonstranten ließen sich die leckeren Salate, Würstchen, Kuchen und Getränke gut munden.

Die Feier endete mit der Abschlusshymne "Eins kann uns keiner nehmen, und das ist, um unser Recht zu kämpfen". Am nächsten Montag steht das Thema Antikriegstag zur Debatte an.

Nachfolgend einige Fotos von der 11-Jahresfeier.

Christoph Schweitzer
Ulrich Achenbach

Moderatoren der Bochumer Montagsdemo
27.8.15 01:02


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