Wegen des Aufbaus des Weihnachtsmarktes fand die Montagsdemo auf der Kortumstr. in Höhe der Tchibo-Filiale statt. Die Auftaktkundgebung ist bis zum 23.12.11 (Ende des Weihnachtsmarktes) immer an diesem Ort.
Es kamen mehr Teilnehmer als beim letzten Mal. Über die Themen "Vorstoß der CDU für eine "Lohnuntergrenze" und "Reichspogromnacht am 9.11.1938 wurde ausgiebig diskutiert.
Einer der Moderatoren leitete die Debatte ein: "Der Plan der Bundesregierung für eine Lohnuntergrenze ist ein reines Täuschungsmanöver. Zum einen werden die Niedrigtarife im Zeitarbeitssektor als Basis genommen (zwischen 7,00 Euro und höchstens 8,50 Euro/Std), zum anderen soll der Mindestlohn nur in den Branchen ohne Tarifvertrag gelten. Schließlich muss der Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Lohnuntergrenze aushandeln, eine staatliche Vorgabe ist nicht vorgesehen".
"Von diesen Tarifen kann niemand menschenwürdig leben!", meldete sich ein Redner. "Im Bauhauptgewerbe liegt der Mindeslohn bei 11,00 Euro/Std für eine ungelernte Kraft. Warum wird dieser Termin nicht verbindlich für alle Branchen vorgeschrieben?", hieß es in einer weiteren Wortmeldung. "Der Niedrigstlohnsektor wird so zementiert", empörte sich eine Rednerin.
"Der Plan der Regierung für einen Mindestlohn zeugt davon, dass sie mit ihrer unsozialen Politik immer unsicherer wird. Sie fürchtet ein Aufbegehren großer Teile der Bevölkerung nach dem Vorbild von Griechenland. Selbstverständlich strebt die Koalition keine staatlich verordnete Lohnuntergrenze ein, sie sucht nur nach einer Alibifunktion, um insbesondere die linke Opposition zu schwächen", erklärte ein anderer Redner.
Alle Montagsdemonstranten sahen in dem Plan der CDU für einen Mindestlohn einen "Taschenspielertrick" und forderten - wie schon in der Vergangenheit - einen Mindestlohn von 10,00 Euro pro Stunde.
Im Verlauf der Diskussion prangerte eine Hartz-IV-Empfängerin ihre Behandlung beim Jobcenter Bochum an. "Ich war 14 Tage im Krankenhaus und habe das Jobcenter darüber informiert bzw. Kopien der ärztlichen Atteste bzw. Krankenhauseinweisung vorgelegt. Trotzdem erhielt ich während meiner Arbeitsunfähigkeit ein Schreiben für einen Termin beim Jobcenter. Ich erklärte meiner Sachbearbeiterin, dass ich krank sei und deshalb den Termin nicht wahrnehmen könne. Trotzdem kann ich Sie ja einladen, erklärte sie mir in einem barschen, äußerst unhöflichen Ton. Ich beschwerte mich beim Teamleiter, er meinte dazu nur, dass mein Arbeitslosengeld II noch nicht sanktioniert sei. Das wäre ja noch schöner als schön, erwiderte ich darauf".
Die Montagsdemo stimmte auf Vorschlag eines Moderatoren einstimmig dafür, dieser Frau zu helfen und das Jobcenter schriftlich dazu aufzufordern, sich für das unverschämte Verhalten der Sachbearbeiterin bzw. des Teamleiters gegenüber der Hilfebedürftigen zu entschuldigen.
Ein Jugendlicher teilte mit, dass Spenden für Afrika, zu denen im RTL-Fernsehprogramm aufgerufen wurde, nicht ankamen und veruntreut wurden.
Anschließend berichtete der Moderator noch kurz über die Reichspogromnacht am 9.11.1938. Unter dem Hitlerfaschismus wurden an diesem Tag zahlreiche jüdische Synagogen, Geschäfte und Wohnungen zerstört, viele Juden wurden getötet oder in Konzentrationslager verschleppt. In diesem Zusammenhang verwies der Moderator auf die erfolgreiche antifaschistische Großdemonstration am vorletzen Samstag in Bochum-Langendreer. Hier haben sich über 1200 Menschen gegen den Terror einiger Neo-Nazis erfolgreich gewehrt. Am Samstag, 12.11.11, wird am Platz der ehemaligen Synagoge In Bochum (jetzt Santander-Bank) zum Gedenken an die jüdischen Opfer ein Kranz niedergelegt".
"Die Nazis werden weder in Bochum-Langendreer noch anderswo Fuß fassen können", war die einhellige Meinung.
Am 17.11.11 wird es in Bochum einen Bildungsstreik der Schüler bzw. Studenten geben. Schwerpunkt der nächsten Montagsdemo ist daher die Mobilisierung zu dieser Aktion bzw. Demonstration.
Es blieb auch dieses Mal bei einer Kundgebung, traditionsgemäß wurde aber die Abschlusshymne a capella gesungen (die Musikanten kamen direkt vom Flughafen zur Montagsdemo und hatten daher ihr Instrument nicht bei sich).
Die Moderatoren
Ulrich Achenbach
Christoph Schweitzer