Ein trauriger Anlass leitete die Montagsdemo ein. Der Vorsitzende der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVNBda), Klaus Kunold, ist nach einer Herzoperation im Alter von knapp 80 Jahren gestorben. In einer Laudatio würdigte eine Rednerin die Verdienste dieses Zeitzeugen des braunen Terror. "Klaus hat sich gegen jede Art von Faschismus eingesetzt und für den Sozialismus gekämpft. Als Mitglied der damaligen KPD ist er sogar ins Gefängnis gekommen. Er hat mitgewirkt, dass die Gräueltaten der Hitlerdiktatur nicht in Vergessenheit gerieten", lautete ein Auszug aus dem Text. Anschließend gab es bei der Montagsdemo eine Gedenkminute.
Mit dem Montagsdemolied "Montagsdemo angesagt" begann die Diskussionsrunde. Das Schwerpunktthema war das "Fracking" bzw. die Umwelt. Ein Team des WDR (Lokalzeit) kam hinzu und filmte. Zuvor wurde einer der Moderatoren bereits in seiner Wohnung interviewt. Dabei ging es um die Wohnverhältnisse und die jetzige persönliche Situation. Der WDR begleitete den Moderator von der U-Bahn-Haltestelle bis zur Montagsdemo.
"Fracking ist eine Methode, auf besonders umweltfeindliche Art Rohstoffe wie Erdgas oder Öl zu gewinnen", erläuterte einer der Moderatoren, "hierbei wird eine giftige Flüssigkeit in Gesteinsschichten gepumpt. Dadurch wird das in den Steinen gebundene Erdgas oder auch Öl (Schieferöl) freigesetzt. Da diese Schichten wasserdurchlässig sind, gelangen die giftigen Chemikalien auch ins Grundwasser. Unser Trinkwasser ist dadurch erheblich gefährdet.
"Das Fracking stammt ursprünglich aus den USA", ergänzte ein Redner, "da ging es einigen Konzernen um den schnellen Profit auf Kosten der Umwelt. Dieses Stichwort war der "rote Faden" für den weiteren Diskussionsablauf.
Ein Jugendlicher wies auf den Tag der Umwelt am 3.12.2011 hin. "In Bochum ist an diesem Tag eine Demonstration gegenüber dem Hauptbahnhof geplant, Beginn um 12.00 Uhr auf dem Kurt-Schumacher-Platz. Es geht gegen die Umweltzerstörung durch Raubbau im tropischen Regenwald, dem immer größeren Anteil an sog. Biosprit und damit verbunden dem Mangel an Grundnahrungsmitteln, die Klimaerwärmung durch den weltweiten Anstieg von Co² und weiteren umweltschädigen Produktionsverfahren. Es werden aber auch Alternativen wie die Kreislaufwirtschaft un die Kyro-Technik erklärt."
Eine Montagsdemonstrantin aus Freiburg, die in Bochum weilte, meldete sich zu Stuttgart 21. "Die Volksabstimmung in Baden-Württemberg hat das Millardenprojekt des unterirdischen Durchgangsnahnhof nicht verhindern können, denn zuviele stimmten mit ja für dieses Projekt. Dabei ist die Bevölkerung nicht richtig über die Nachteile dieses Prestigeobjekt aufgeklärt worden und viele waren darüber überhaupt nicht informiert. Die Milliarden Euro für den neuen Bahnhof in Stuttgart fehlen an anderer Stelle, wo sie dringend gebraucht werden, z.B. bei der Instandsetzung der Züge. In Freiburg und Stuttgart stimmte eine Mehrheit gegen Stuttgart 21 und der Widerstand wird trotzdem weitergehen."
Weiterhin wurde über die Proteste gegen den Castor-Atommülltransport ins Zwischenlager nach Gorleben berichtet. Eine Rednerin vom Jugendverband Rebell, der mit einem Camp vor Ort war, schilderte den Ablauf der Großdemonstration und die Belagerung der Gleise in Dannenberg. "In Dannenberg demonstrierten Tausende gegen die Atomtransporte, es war ein buntes Bild mit zahlreichen Transparenten und lautstarken Parolen. Wir blockierten auch zeitweise die Gleise und verließen sie erst nach der Räumung durch die Polizei. Die Polizei konnte allerdings in in Beton-Pyramiden eingeschlossenen Demonstranten nicht "befreien". Alle Versuche, den Beton aufzubohren, scheiterten. Außer Beton wurden auch andere Materialien wie Metall und Gummi eingesetzt, der Bohrer traf immer auf ein anderes Material und kam ins Stocken. Schließlich lösten diese Protestler die Barrikaden selbst auf, um ihre Gesundheit nicht zu gefährden".
Eine Hartz IV - Empfängerin bedankte sich bei der Montagsdemo für die Hilfe beim Jobcenter. Wie schon berichtet, wurde ein Protestschreiben der Montagsdemo an das Beschwerdemangement des Jobcenter Bochum gerichtet. Sehr kurzfristig entschuldigte sich ein Mitarbeiter des Beschwerdemangement bei der Erwerbslosen für das Verhalten ihrer Sachbearbeiterin.
Der Vorsitzende der Sozialen Liste mobilisierte zu einer bündnisweiten Demonstration am Samstag, 10.12.2011, in Bochum. "BoFo. e.V. VertreterInnen von IFAK, DIDF, Linken, Grünen, ver.di, VVN-BdA, des Bochumer Bündnisses gegen Rechts sowie der Sozialen Liste, beschlossen gemeinsam eine Bochumer Kundgebung anlässlich der neofaschistischen und rassistischen Morde an MigrantInnen. Ein überarbeiteter Aufruf wird in Kürze folgen. Ich würde mich freuen, wenn sich die Bochumer Montagsdemo diesem Aufruf anschließt".
Alle stimmten mit ja.
Das Team des WDR blieb während der gesamten Auftaktkundgebung und stellte dem bereits interviewten Moderator am Rande der Kundgebung noch weitere Fragen. "Haben Sie noch so langer Zeit immer noch die Motivation für die Montagsdemo?", hieß es zum Beispiel. "Ich kämpfe solange, bis der Sozialabbau und die Hartz-Gesetze vom Tisch sind. Selbst wenn ich durch einen Lottogewinn Millionär werden sollte, ist es für mich selbstverständlich, mich für ein besseres Leben ohne Hartz IV einzusetzen".
Mit ca. 30 Personen gab es anschließend einen Demozug mit Parolen und Liedern bis zum Engelbertbrunnen und zurück zum Ort der Auftaktkundgebung in der Nähe der Tchibo-Filiale.
Am nächsten Montag wird die Protestaktion zum Tag der Umwelt ausgewertet und zu der Antifa-Kundgebung am 10.12.11 mobilisiert. Mit der Abschlusshymne endete die Abschlusskundgebung.
Die Moderatoren
Ulrich Achenbach
Christoph Schweitzer