Zur ersten Montagsdemo 2012 kamen nur wenig Teilnehmer, außerdem verhinderte ein Starkregen eine längere Kundgebung. Trotzdem beteiligten sich die anwesenden Demonstranten an einer kurzen, aber intensiven Diskussion.
Die geplante neue Gebühr von 5,00 Euro für jeden Arztbesuch stand im Kreuzfeuer der Kritik. Einer der Moderatoren leitete die Debatte ein: "CDU und FDP wollen die bisherige vierteljährliche Praxisgebühr von 10,00 Euro abschaffen. Das klingt im Moment gut, jedoch plant die Bundesregierung anstelle der jetzigen Praxisgebühr eine Zuzahlung von 5,00 Euro pro Arztbesuch. Für Bezieher geringer Einkommen wird dann ein notwendiger Arztbesuch zum reinen Luxus".
"In diese Richtung geht auch die Aussage von Gesundheitsminister Bahr (FDP). Die derzeitige Regelung der Praxisgebühr hat die Zahl der Arztbesuche in Deutschland nicht eindämmen können. Durchschnittlich geht jeder Deutsche 18 mal im Jahr zum Arzt. Damit hat die Regierung wieder einmal ihr wahres Gesicht gezeigt. Den Kranken soll nicht geholfen werden, sondern sie sollen davon abgehalten werden, überhaupt zum Arzt zu gehen!", empörte sich ein Redner.
Eine Rednerin ergänzte: "Die Politiker meinen, durch weniger Arztbesuche könnten die Krankenkassen Kosten sparen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Werden Krankheiten verschleppt, ist die anschließende Behandlung langwierig, häufig wird sogar Krankenhausaufenthalt für den Patienten erforderlich. Das geht richtig ins Geld der Versicherten und Krankenkassen".
"Die wahnsinnigen Pläne der Bundesregierung für eine regelmäßige Arztgebühr verstoßen gegen die Menschenrechte und das Grundgesetz", hieß es in einer weiteren Wortmeldung, "denn wer nicht zahlen kann, wird nicht behandelt, selbst für die Notaufnahme in Krankenhäusern wäre die Arztgebühr fällig. Ist es von Schwarz-Gelb bewusst so gewollt, dass Menschen mit niedrigem Einkommen in Lebensgefahr schweben, wenn sie aus finanziellen Gründen nicht zum Arzt können?"
"Genauso wie die Erwerbslosen sind die Patienten an ihrer Situation selbst schuld, so denken Bahr, Lindemann und Co", rief ein Redner ärgerlich.
"Alle Bundesbürger sind zum großen Protest gegen diese Wahnsinnspläne von Schwarz/Gelb aufgerufen. Wehrt euch gegen die neue Abzocke der Patienten!", appellierte eine Rednerin.
Weiterhin wurde die Rente mit 67 Jahren scharf angegriffen. Eine Rednerin: "Ich gehe jetzt in Kürze in Rente und soll Abstriche hinnehmen. Die Rentenkassen sind voll und es ist eine Lüge, das Renteneintrittsalter aufgrund der demografischen Entwicklung hochzuschrauben", protestierte eine Rednerin.
Durch die aktuelle Berichte in den Medien über den Privatkredit vom Bundespräsidenten Wulf erwarteten alle Montagsdemonstranten vom Neuen Jahr, dass Wulf in Kürze abtreten muss.
Wegen des schlechten Wetters und entsprechend wenig Publikum endete die Diskussion nach kurzer Zeit.
Auf die Bürger der meisten Gemeinden kommen in diesem Jahr weitere Belastungen zu. So steigen auch in Bochum die Grundsteuer, die Benutzungs- und andere Gebühren. Gleichzeitig sollen Schulen geschlossen werden. Ebenfalls wird das Serviceangebot der Stadt Bochum weiter eingeschränkt, z.B. Verringerung der Bürgerbüros.
Über diese Probleme soll am nächsten Montag diskutiert werden.
Trotz des heftigen Regens wurde noch die Abschlusshymne der Bochumer Montagsdemo gesungen.
Die Moderatoren
Ulrich Achenbach
Christoph Schweitzer